Ein Ausflug in die digitale Welt - Vortrag Welf Schröter spricht auf Einladung der SPD über den sozialen Zusammenhalt in einer digitalen Arbeitswelt. Von Martina Kallenberg

Die SPD hat zu einem Impulsvortrag über den sozialen Zusammenhalt in der digitalen Arbeitswelt von Welf Schröter in ihre Geschäftsstelle eingeladen. Zwar war das morgendliche Interesse an dem Thema sehr überschaubar, doch dem Leiter des „Forums Soziale Technikgestaltung“ Schröter gelang es, die Zuhörenden klar und transparent in die digitale Welt zu führen. Er zeigte auf, wie wir uns als Menschen in der Gesellschaft damit beschäftigen sollten, welche Art von Technik wir haben möchten.

Welf Schröter erklärte, dass zwei Drittel von dem, was unter dem Namen 4.0, smart oder als KI (künstliche Intelligenz) verkauft wird, bereits zehn bis 20 Jahre alt ist und sprach dabei von „Nachholender Digitalisierung“. „Wir müssen heute unterscheiden, was ist alte und was ist neue Technik“, so Schröter. Bei der alten Technik sei der Kernpunkt, dass der Mensch entscheidet; sie unterstütze und sei bestenfalls eine „Assistenztechnik“. Schröter verglich sie mit einem Musikstück von Mozart, an das man sich gewöhnt und mit dem es sich entspannt leben lässt.

Doch langsam liege ein anderer Ton unter dem Vertrauten, eine erst ruhige, dann anschwellende Melodie, die sich als Ravels Bolero entpuppe. Diese Bolero-Technologie „bewegt sich gerade auf die Arbeitswelt zu“ und zwar in Form von Autonomen Softwaresystemen. Diese Systeme sammeln permanent Daten, bewerten und nutzen sie in Echtzeit, also erheblich schneller und effektiver, als es ein Mensch kann. Wo bleibt der arbeitende Mensch in der ganzen Komplexität und wie geht er mit einem Arbeitsgerät um, das nicht das Werkzeug bleibt, dass es zu Beginn war, sondern sich im Arbeitsprozess wandelt? Das sind Fragen, die Schröter aufwirft. Denn bei solcher Art Arbeit sei die Gefahr, dass „man sich zu blöd fühlt und es nicht versteht“ und das Gefühl der Zugehörigkeit verliert.

„Ich möchte dazu ermutigen, ein Teil der Entwicklung und Diskussion zu sein“ ist Schröters Anliegen. Denn die ethischen und sozialen Werte in den Algorithmus der Technik einzubauen, sollte man nicht den IT-lern überlassen. Jede Software „trägt eine Spielregel in sich“. Damit könne man bestimmen, „was ein Softwarehaufen darf“, denn hier kann man humanistische, soziale und ethische Regeln präzise formuliert einprogrammieren. Dazu brauche es eine große Transparenz, nach welchen Kriterien dieser Softwarehaufen funktioniert. „Wir brauchen uns nicht als Opfer der Digitalisierungsinitiative fühlen, sondern lernen präzise Anforderungen an die Technik zu stellen.“ Schröter:  „Wir sollten Lust haben, transparent Fehler zu machen.“

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